Zunächst einmal wollen wir uns ansehen, was Radschrauben sind und welche Funktion sie haben. Radschrauben sind die Schrauben, die an der Radnabe befestigt werden und Rad, Bremsscheibe (Bremstrommel) und Radnabe verbinden. Ihre Funktion besteht darin, Räder, Bremsscheiben (Bremstrommeln) und Naben zuverlässig miteinander zu verbinden. Bekanntlich tragen die Räder das gesamte Fahrzeuggewicht, daher wird die Verbindung zwischen Rädern und Karosserie durch diese Schrauben hergestellt. Somit tragen die Radschrauben faktisch das Gewicht des gesamten Fahrzeugs und übertragen gleichzeitig das Drehmoment des Getriebes auf die Räder, die dabei Zug- und Scherkräften ausgesetzt sind.

Die Radschraube ist sehr einfach aufgebaut und besteht aus Schraube, Mutter und Unterlegscheibe. Je nach Schraubenform unterscheidet man zwischen ein- und zweiköpfigen Radschrauben. Die meisten Pkw verwenden einköpfige Radschrauben, während Stehbolzen üblicherweise bei kleinen und mittelgroßen Lkw zum Einsatz kommen. Für einköpfige Radschrauben gibt es zwei Montagearten: Zum einen die Nabenschraube mit Mutter. Hierbei wird die Schraube mit Presspassung auf die Nabe geschraubt, anschließend wird das Rad mit der Mutter fixiert. Diese Methode ist vor allem bei japanischen und koreanischen Pkw sowie den meisten Lkw verbreitet. Vorteile sind die leichtere Positionierung des Rades, die einfachere Demontage und Montage sowie die höhere Sicherheit. Nachteile sind der aufwendigere Austausch der Radschrauben und die teilweise notwendige Demontage der Radnabe. Zum anderen wird die Radschraube direkt auf die Radnabe geschraubt. Diese Methode ist typisch für europäische und amerikanische Pkw. Der Vorteil liegt in der einfacheren Demontage und dem leichteren Austausch der Radschrauben. Der Nachteil besteht darin, dass die Sicherheit etwas geringer ist. Werden die Reifenschrauben wiederholt demontiert und montiert, werden die Gewinde an der Nabe beschädigt, sodass die Nabe ausgetauscht werden muss.
Reifenschrauben für Autos bestehen in der Regel aus hochfestem Stahl. Die Festigkeitsklasse der Schraube ist auf dem Schraubenkopf aufgedruckt. Es gibt die Klassen 8,8, 10,9 und 12,9. Je höher der Wert, desto höher die Festigkeit. Die Zahlen 8,8, 10,9 und 12,9 beziehen sich auf die Leistungsklasse der Schraube. Diese besteht aus zwei Zahlen, die jeweils die nominelle Zugfestigkeit und die Streckgrenze des Schraubenmaterials angeben. Üblicherweise werden diese mit „XY“ abgekürzt, z. B. 4,8, 8,8, 10,9, 12,9 usw. Die Zugfestigkeit einer Schraube der Leistungsklasse 8,8 beträgt 800 MPa, die Streckgrenze 0,8 und die Streckgrenze 800 × 0,8 = 640 MPa. Die Zugfestigkeit von Schrauben der Leistungsklasse 10.9 beträgt 1000 MPa, das Streckgrenzenverhältnis 0,9 und die Streckgrenze 1000 × 0,9 = 900 MPa.
Andere und so weiter. Im Allgemeinen werden Schrauben mit einer Festigkeit von 8.8 und höher aus niedriglegiertem oder mittellegiertem Kohlenstoffstahl gefertigt und wärmebehandelt. Diese Schrauben werden dann als hochfest bezeichnet. Die Reifenschrauben von Pkw sind ausnahmslos hochfeste Schrauben. Unterschiedliche Modelle und Lasten erfordern unterschiedliche Schraubenfestigkeiten. 10.9 ist die gängigste Festigkeit, 8.8 wird üblicherweise für leichtere Modelle verwendet und 12.9 ist für schwere Lkw geeignet.


Veröffentlichungsdatum: 20. Mai 2022